IT, Facility Management und Anlagenlieferanten brauchen eindeutige Grenzen
Moderne Gebäude funktionieren über vernetzte Systeme. Ein Aufzug besitzt Netzwerkkommunikation, ein Zutrittscontroller benötigt Serverdienste, Gebäudeautomation kommuniziert über IP und Kameras nutzen Ethernet und PoE. Die vorhandene IT-/OT-Seite dokumentiert diese zunehmende Verzahnung sehr umfassend.
Gerade daraus entsteht jedoch die Frage:
Wer ist eigentlich für was verantwortlich?
IT-/OT-Verantwortung klar strukturieren
Technische Übergabepunkte definieren
Für jedes IT-/OT-System sollte erkennbar sein, wo die Verantwortungsgrenze liegt.
Beispiel Zutrittskontrolle:
FM beziehungsweise Security verantwortet möglicherweise:
Fachfunktion,
Leser,
Türen,
Berechtigungsprozess.
IT verantwortet möglicherweise:
Serverplattform,
Netzwerk,
Verzeichnisdienst,
Backup.
Der Systemlieferant verantwortet gegebenenfalls:
Diese Grenzen sollten explizit beschrieben sein.
Stromversorgung ebenfalls zuordnen
Ein besonders typischer Grenzbereich ist die Energieversorgung.
Wer verantwortet beispielsweise:
Rack-PDU,
Netzteil,
PoE-Port,
USV,
Steckdose,
Unterverteilung?
Bei einer Störung kann die Fehlerursache technisch genau an dieser Schnittstelle liegen.
RACI statt allgemeiner Zusammenarbeit
„IT und FM stimmen sich ab“ ist keine belastbare Organisation.
Für zentrale Tätigkeiten kann eine RACI-Matrix definieren:
R – Responsible: führt aus.
A – Accountable: trägt Ergebnisverantwortung.
C – Consulted: wird fachlich beteiligt.
I – Informed: wird informiert.
Die vorhandene IT-Technikraumseite nutzt diese Logik bereits für die Betreiberorganisation des Raums.
Sie sollte auf die gesamte IT-/OT-Landschaft übertragen werden.
Eine Schnittstellenmatrix sollte mindestens klären:
Dadurch werden gerade jene Tätigkeiten sichtbar, die bei Projektübergaben häufig zwischen Lieferanten und internen Bereichen verloren gehen.
Incident Ownership festlegen
Ein Nutzer meldet möglicherweise:
„Gebäudeautomation nicht erreichbar.“
Der First Level muss nicht sofort die Ursache kennen.
Es muss aber klar sein, wer die koordinierende Verantwortung für den Gesamtincident besitzt, bis die Ursache eingegrenzt ist.
Herstellerzugänge regeln
Viele OT-Systeme benötigen externen Fernzugriff durch Hersteller.
Dafür sollte geklärt sein:
wer freigibt,
wie authentifiziert wird,
wann Zugriff zulässig ist,
wie protokolliert wird,
wer ihn wieder beendet.
Informationssicherheitsmanagement nach ISO/IEC 27001 setzt einen systematischen Umgang mit Sicherheitsrisiken und entsprechenden Verantwortlichkeiten voraus.
Änderungskompetenz definieren
Besonders kritisch ist die Frage:
Wer darf konfigurieren?
Ein FM-Dienstleister sollte beispielsweise nicht eigenständig Netzwerkparameter verändern, wenn dadurch Unternehmensnetze betroffen sind.
Umgekehrt darf ein IT-Administrator nicht ohne fachliche Abstimmung sicherheitsrelevante OT-Kommunikation verändern.
Projekte frühzeitig einbeziehen
Die Verantwortungsmatrix sollte bereits in der Planung neuer Systeme geklärt werden.
Dann kann früh bestimmt werden:
für das spätere System gelten.
Schnittstelle als Betriebsobjekt behandeln
Professionelle IT-/OT-Governance fragt nicht, ob IT oder FM wichtiger ist.
Sie stellt sicher, dass an jeder technischen und organisatorischen Übergabe eindeutig bekannt ist:
Wer plant, wer betreibt, wer administriert, wer überwacht, wer entscheidet und wer bei einer Störung die Führung übernimmt?
Damit werden vernetzte Gebäude auch organisatorisch beherrschbar.