Aktive Netzwerktechnik altert schneller als Gebäude
Gebäude und viele gebäudetechnische Anlagen werden für Jahrzehnte geplant. Aktive IT-Komponenten besitzen dagegen deutlich kürzere Innovations- und Supportzyklen. Genau dieses Spannungsfeld wird auf der vorhandenen Dimensionierungsseite bereits für OT-Geräte beschrieben: langlebige Gebäudetechnik trifft auf wesentlich schneller alternde IT-Technologie.
Ein eigenständiges Lifecycle- und Obsoleszenzmanagement fehlt jedoch bislang.
Lifecycle und Obsoleszenz aktiv steuern
Technisches Alter allein reicht nicht
Ein Switch kann nach acht Jahren technisch noch einwandfrei funktionieren und trotzdem ein relevantes Risiko darstellen.
Zu betrachten sind beispielsweise:
Hersteller-Support,
Sicherheitsupdates,
Ersatzteilverfügbarkeit,
verfügbare Software,
Leistungsfähigkeit,
Kompatibilität,
Energieeffizienz.
Damit unterscheidet sich Obsoleszenz von einem klassischen Defekt.
Für aktive Komponenten kann ein einfaches Statusmodell verwendet werden:
aktuell: regulär unterstützt.
beobachten: Nachfolgegeneration verfügbar.
End of Sale: nicht mehr regulär beschaffbar.
End of Support: eingeschränkte Herstellerunterstützung.
kritisch obsolet: Sicherheits- oder Betriebsrisiko.
Ersatz geplant.
Diese Information gehört idealerweise in das Assetregister.
Herstellersupport systematisch überwachen
Das FM beziehungsweise die IT sollte nicht erst durch einen Defekt erfahren, dass ein Gerät seit Jahren nicht mehr unterstützt wird.
Für kritische Produktfamilien können deshalb regelmäßig überprüft werden:
Je kritischer die Infrastruktur, desto früher sollte die Ersatzentscheidung vorbereitet werden.
Plattformen statt Einzelgeräte betrachten
Der Austausch eines einzelnen Switches kann trivial erscheinen.
Bei einer kompletten Produktgeneration können jedoch betroffen sein:
Managementsystem,
Lizenzen,
Konfigurationen,
Ersatzteile,
Schulungen,
Standards.
Lifecycle-Planung sollte deshalb möglichst auf Technologieplattformen statt auf Einzelkomponenten ausgerichtet sein.
Gebäudeprojekte mit IT-Lifecycle synchronisieren
Ein typisches Problem entsteht, wenn kurz vor einer größeren Gebäudesanierung nochmals umfangreiche aktive IT ersetzt wird und wenige Jahre später erneut umgebaut werden muss.
Umgekehrt kann ein Gebäudeprojekt nicht warten, wenn zentrale Komponenten bereits sicherheitskritisch obsolet sind.
IT- und Immobilien-Masterplanung sollten deshalb miteinander verbunden werden.
Budget langfristig prognostizieren
Aus dem Assetregister kann eine mehrjährige Ersatzkurve entstehen.
Beispielsweise:
Jahr 1: Access-Switches Gebäude A,
Jahr 2: WLAN-Controller,
Jahr 3: Core-Komponenten,
Jahr 4: Access Points.
Damit werden Ersatzinvestitionen planbarer und große Kostenpeaks früh sichtbar.
Zu viele unterschiedliche Hersteller, Modelle und Generationen erhöhen:
Lifecycle-Management kann deshalb auch zu stärkerer technischer Standardisierung führen.
OT-Abhängigkeiten berücksichtigen
Netzwerkkomponenten können Dienste tragen, die deutlich länger bestehen als klassische Büro-IT.
Beispiele:
Gebäudeautomation,
Video,
Zutritt,
Produktionssysteme.
Vor einem Plattformwechsel muss deshalb geprüft werden, ob bestehende OT-Komponenten weiterhin kompatibel bleiben.
Nicht bis zum Ausfall warten
Run-to-Failure ist bei einem einzelnen unkritischen Access Point möglicherweise vertretbar.
Bei Core-Switches, Firewalls oder zentralen OT-Netzen kann derselbe Ansatz erhebliche Betriebsrisiken erzeugen.
Die Ersatzstrategie sollte daher aus der Kritikalität abgeleitet werden.
Lebenszyklus aktiv steuern
Die entscheidende Frage lautet:
Wann wird eine noch funktionierende Netzwerkkomponente technisch, sicherheitsbezogen oder wirtschaftlich so problematisch, dass ein geplanter Austausch sinnvoller ist als weiterer Betrieb?
Damit wird Obsoleszenz vom überraschenden Störfall zu einem planbaren FM- und IT-Investitionsprozess.